Pflegezusatzversicherung

Viele Menschen haben Angst davor, im Alter ein Pflegefall zu sein und kein Geld für Ärzte und Medikamente zu haben. Zwar zahlt der Staat vom Grunde her für die Pflege, aber einen großen Teil muss jeder einzelne Bürger selbst finanzieren, und zwar mit der Rente, mit gespartem Geld oder mit einer privaten Pflegezusatzversicherung.
Ab dem 1. Januar 2013 soll jeder Bürger die Verträge zur privaten Pflegezusatzversicherung abschließen können, unabhängig von seinem Alter und seinem Gesundheitszustand. Für die Versicherung gibt es 60 Euro Zuschuss pro Jahr vom Staat.

Vier Modelle stehen für die Pflegezusatzversicherung zur Verfügung.

Das erste Modell ist das Pflegetagegeld. Der Versicherer zahlt hier eine vereinbarte Summe pro Tag, deren Höhe von der Pflegestufe abhängig ist. Dieses Pflegetagegeld wird z.B. vom Bund der Versicherten befürwortet, da Pflegebedürftige dann wüssten, dass sie einen garantierten Tagessatz erhalten würden. Der Versicherte könne zudem selbst entscheiden, ob er das Geld in professionelle Pflege investiere oder ob Angehörige gegen Geld sich um ihn kümmern sollen.

Das zweite Modell ist eine Pflegekostenversicherung. Die Versicherten bekommen hierbei die ihnen entstandenen Kosten zurück. Diese Variante der Pflegezusatzversicherung passt sich also an die Kostenentwicklung selbst an. Der Versicherte muss jedoch die Kosten nachweisen, was mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden ist.

Weitere Varianten sind eine Pflegerentenversicherung und eine Pflegerenten-Risikoversicherung, die aber nicht zu favorisieren sind.

Pflege-Bahr / Pflege-Riester: Private Pflegeversicherung ab 2013 staatlich gefördert

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen immer älter werden (demografischer Wandel), wird auch die Zahl der Pflegefälle steigen. Deshalb ist es wichtig, eine Vorsorge für die Pflege zu treffen. Neben der gesetzlichen Pflegeversicherung, die nur wie eine Teilkaskoversicherung wirkt, ist eine private Pflegeversicherung anzuraten.
Ab 2013 wird diese private Pflegezusatzversicherung durch staatliche Zuschüsse gefördert. Diese werden umgangssprachlich Pflege-Bahr oder Pflege-Riester genannt.
Wer beispielsweise einen Vertrag mit einer Prämie von 10 Euro pro Monat abschließt, erhält 5 Euro als Zuschuss vom Staat.
Gesetzlich Pflegeversicherte bekommen ab dem 1. Januar 2013 eine Zulage von 60 Euro jährlich (fünf Euro monatlich), wenn sie eine freiwillige private Pflege-Zusatzversicherung mit einem Mindestbeitrag von 120 Euro abschließen. Dieser staatliche Zuschuss ist einkommensunabhängig.

Anspruch auf Pflegezusatzversicherung

Einen Anspruch auf Abschluss der Pflege-Zusatzversicherung haben alle in der sozialen oder privaten Pflegeversicherung versicherten Erwachsenen. Den Versicherungen ist es untersagt Ausschlusskriterien oder Risikozuschläge festzusetzen. Minderjährige oder bereits pflegebedürftige Personen können sind hingegen von der Versicherung ausgeschlossen.

Welche privaten Pflegeversicherungen sind förderfähig?

Förderfähig sind private Pflegezusatzversicherungen, die im Pflegefall eine dem Pflegegeld entsprechende Geldzahlung leisten. Weitere Leistungen, wie etwa Pflegesachleistungen, sind nicht förderungsfähig, sie dürfen aber im Vertrag enthalten sein.
Förderfähige Pflege-Zusatzversicherungen sind also Versicherungen nach dem Risikoprinzip, wie man es von den Lebensversicherungen kennt.

Zulagen und Leistungsauszahlung

Die staatliche Zulage wird auf Antrag gezahlt. Der Antrag muss beim Versicherer der privaten Pflege-Zusatzversicherung eingereicht werden.
Die Einstufung in eine Pflegestufe durch den MDK oder den Gutachter der privaten Krankenversicherung ist auch für die Zusatzversicherung verbindlich. Weitere Kostennachweise sind für die Auszahlung der Leistung nicht notwendig.

Kündigung – Ruhen

Bei Versicherten, die Grundsicherung oder Hartz IV Leistungen beziehen, darf der Vertrag drei Jahre ruhen oder innerhalb von drei Monaten nach Beginn des ALG-II-Bezugs oder des Endes der Ruhezeit gekündigt werden.

Förderung bestehender Pflege-Zusatzversicherungen

Auch gegenwärtig bestehende Pflege-Zusatzversicherungen können gefördert werden. Es müssen allerdings gewisse Vorgaben erfüllt sein. Insbesondere dürfen die Verträge keine Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge enthalten. Die Wartezeiten dürfen nicht länger als fünf Jahre sein.

Pflegezusatzversicherung als Teil des Pflege-Neuausrichtungsgesetzes

Das Bundeskabinett hat die Regelungen zur Pflegezusatzversicherung in einem Änderungsantrag zum Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG) beschlossen. Das PNG wurde am 28. März 2012 von der Bundesregierung auf den Weg gebracht und wird gegenwärtig im Deutschen Bundestag diskutiert.
100 Millionen Euro stehen im Jahr 2013 für die Förderung der privaten Pflege-Zusatzversicherung bereit. Diese Summe wird fällig, wenn etwa 1,7 Millionen Personen die staatliche Förderung beanspruchen.